Der „andere“ Leineweber: Jöllenbecker Heimatfreunde setzen eisernes Denkmal

7. März 2026 - von Michael Röhrich

Bei frühlingshaften 19 °C rückten drei Männer des Heimatvereins (HV) Jöllenbeck am Wörheider Weg an, um ein besonderes Stück Industriegeschichte zu verankern: Das „Negativ“ des Leinewebers hat seinen festen Platz vor dem Feuerwehrgerätehaus gefunden.

Was im ersten Moment rätselhaft klingt, klärt sich beim Blick auf das Heimathaus an der Amtsstraße. Dort steht die bekannte Silhouette des Leinewebers – der Symbolfigur Bielefelds –, geschnitten aus einer massiven Metallplatte. Normalerweise wäre der verbliebene Stahlrahmen, aus dem die Figur herausgetrennt wurde, als Abfall entsorgt worden. Doch die Schöpfer hatten eine bessere Idee: Auch das „Negativ“ sollte als Denkmal dienen und den einstigen Stellenwert der Textilverarbeitung in Jöllenbeck würdigen.

Ein geschichtsträchtiger Standort
Dass die Skulptur nun ausgerechnet vor dem Feuerwehrgerätehaus steht, ist kein Zufall. Direkt hier verläuft der Leineweberweg, der 2014 zum 800-jährigen Jubiläum Bielefelds eingeweiht wurde. Der Weg führt unter anderem an der Firma Delius vorbei – einem der letzten Zeugen der Jöllenbecker Textiltradition. Uwe Biermann, 1. Vorsitzender des Heimatvereins, verbindet mit der Aktion auch eine ganz persönliche Geschichte: „Ich bin Sohn einer Seidenweberfamilie und habe daher eine besondere Nähe zu diesem Handwerk“, erklärt er. Gemeinsam mit Thorsten Koch und Lars Westerwelle sorgte er dafür, dass der metallene Leineweber nach gut einer Stunde Arbeit sicher im Betonfundament stand.

Erinnerung an den „Friedensschluss“
Das Denkmal erinnert auch an ein kurioses Kapitel der Lokalpolitik: Zur Eröffnung des Wanderweges wanderten hunderte Jöllenbecker (man spricht von bis zu 400 Teilnehmern) vom Heimathaus zum Leineweberdenkmal am Altstädter Kirchplatz. Es war ein symbolischer Friedensschluss mit dem damaligen Oberbürgermeister Pit Clausen – denn viele Jöllenbecker hatten 1973 bei der Gebietsreform mit der Eingemeindung nach Bielefeld gehadert.

Dank des Einsatzes der drei Heimatfreunde ist Jöllenbeck nun um einen markanten Wegpunkt reicher, der die Geschichte der „Leinenweberstadt“ lebendig hält.

Der „andere“ Leineweber: Jöllenbecker Heimatfreunde setzen eisernes Denkmal, Bild 1
Das Gegenstück vor dem Heimathaus
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