Blick auf die Marienkirche
Grundschule am Waldschlösschen
Kath. Liebfrauenkirche
Heimathaus
Gajos ehem. Meyer zu Jöllenbeck
Grafschaftsdenkmal
Am Tieplatz
Amt Jöllenbeck
Moschee
Upmeier zu Belzen
Café Nostalgie
Marktplatz
Ehemaliger Bahndamm
CVJM Heim
Ev. Marienkirche
Westerfeldschule
Spielplatz im Pfarrwald
Ehemalige WIndmühle
Neuapostolische Kirche

Jöllenbeck - früher und heute

Geht man heute durch das Dorfzentrum Jöllenbecks, so fallen die drei Brüngerhäuser an der Amtsstraße 20 bis 24 auf, die direkt an dem Quellgebiet der Jölle liegen und vom Eigentümer Friedrich- Wilhelm Brünger vollständig restauriert wurden. Besonders das um 1727 gebaute Haupthaus (Nr. 22, heute Café) beinhaltet umfangreiche Reste der originalen Ausstattung (z.B. alten Kamin, Bleisprossenfenster am Wohnteil, Webstube für bis zu vier Webstühle, originale Innentüren etc.). Es war sowohl für den Gewerbebetrieb (Leinenweberei, Leinenhandel) als auf die ebenfalls betriebene Landwirtschaft eingerichtet.

Das Gebäudeensemble verkörpert die 300-jährige Entwicklung einer im ländlichen Bereich gewerbetreibenden Familie und vermittelt einen Einblick vom Jöllenbecker Ortsbild der letzten Jahrhunderte. Während die Bielefelder Innenstadt, vor allem die Altstadt, im letzten Krieg stark zerstört wurde, blieben die ehemaligen Gemeinden Vilsendorf, Theesen und Jöllenbeck vom Kriegsgeschehen weitgehend verschont. Am 2. April 1945, es war der zweite Ostertag, erreichten die Alliierten, von Werther kommend, die Gemeinde Jöllenbeck. Durch ein kurzes Kampfgeschehen wurden einige Häuser sowie die Betriebsgebäude der ehemaligen Firma Wertheimer zerstört. 

 Zeichnung Dorfkern am Tie um 1825/28 Ausschnitt einer Aufnahme vom Dorfmodell um 1825  heutiges Zentrum Marktplatz Luftaufnahme

Obwohl Jöllenbeck also kaum Kriegsschäden hatte, ist heute vom alten Ortskern nur noch wenig zu erkennen. Mit dem Abriss der mittelalterlichen Kirche im Jahre 1877 zerstörte man zunächst das Zentrum des alten Ortskerns. Um 1900 folgten weitere Abrisse für Turnhalle und Schulgebäude. Aber auch im neuen Teil des Dorfes verschwanden immer mehr die alten Fachwerkgebäude. Viele stuckverzierte Häuser, erbaut um 1900, veränderte man in den 1960er Jahren sehr stark und passte sie dem damaligen Zeitgeist an. Die letzten Fachwerkgebäude um den heutigen Tiestein riss man 1972 ab, so dass von der ringförmigen Umbauung um die alte mittelalterliche Kirche kaum noch etwas zu erkennen ist. 

Nach 1945 stieg die Bevölkerung durch den Flüchtlingsstrom aus den Ostgebieten stark an. In diesen Jahren der Not, die sich bis in die 1950er Jahre hinzogen, war eines der dringlichen Probleme die Wohnraumversorgung. Die Gebäude, vor allem die alten Fachwerkgebäude, waren häufig im desolaten Zustand. In den Häusern lebten die Menschen beengt, die teilweise primitiven sanitären Einrichtungen waren erneuerungsbedürf-
tig. So kann man verstehen, dass die Menschen sich nach etwas Neuem sehnten. Altes wurde abgerissen, neue Siedlungen entstanden, Häuser wurden renoviert und saniert. Kanalbau, Wasserversorgung, Straßenbau, Schulentwicklung, Schwimmbad, Sportstätten – Vieles wurde lokalpolitisch geplant und auch ausgebaut. Um infrastrukturelle Aufgaben besser zu lösen und zu koordinieren, wurden 1952 die Gemeinden Ober- und Niederjöllenbeck zusammengelegt. Schon 1930 waren die eigenständigen Gemeinden Theesen und Vilsendorf bereits dem Amt Jöllenbeck zugeordnet, das 1922 die erste eigene Verwaltung bekam. Nun gehört das ehemalige Amt Jöllenbeck mit den ehemaligen Gemeinden Jöllenbeck, Theesen und Vilsendorf seit dem 1. Januar 1973 zur Stadt Bielefeld, die eigenständigen Gemeinden bestehen verwaltungsmäßig nicht mehr.16 

Dorfidylle

Trotzdem hat jede Gemeinde im jetzigen Stadtbezirk Jöllenbeck ihre Individualität behalten. In den ehemaligen Gemeinden gibt es ein lokales lebendiges Vereinswesen und aktive Kirchengemeinden. In jeder Gemeinde sind lebendige Infrastrukturen, vor allem für die Grundversorgung, entstanden, so dass der Zuzug junger Familien nach wie vor anhält. So gilt auch weiterhin: Jöllenbeck – ganz oben in Bielefeld!

 

Quellennachweis

16 Vgl. Horst Ulrich Fuhrmann 1991, S. 585 ff.

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