Upmeier zu Belzen
Amt Jöllenbeck
Ehemalige WIndmühle
Blick auf die Marienkirche
Marktplatz
Gajos ehem. Meyer zu Jöllenbeck
Westerfeldschule
Am Tieplatz
CVJM Heim
Heimathaus
Grafschaftsdenkmal
Neuapostolische Kirche
Ehemaliger Bahndamm
Spielplatz im Pfarrwald
Kath. Liebfrauenkirche
Moschee
Grundschule am Waldschlösschen
Ev. Marienkirche
Café Nostalgie

Geschichtliches

Über 800 Jahre Theesen, Vilsendorf, Jöllenbeck

Schon 1802 schrieb der damalige Jöllenbecker Pfarrer Johann Moritz Schwager (1738–1804) über seinen Wohnort Jöllenbeck nach einer vierwöchigen Reise in sein Tagebuch: „Von Schildesche hatte ich nur noch eine Stunde nach Hause, es war eine schöne Sommernacht, wir kamen wohlbehalten in Jöllenbeck an und fanden – daß es nirgend besser sey, als zwischen seinen vier Pfählen. (…)“2 (gemeint sind die damaligen vier Schlagbäume an der ehemaligen Gemeindegrenze)

Die ersten urkundlichen Erwähnungen von Theesen und Vilsendorf stammen aus dem Jahre 1151, von Jöllenbeck aus dem Jahr 1191. Diese Erwähnungen nahmen die Gemeinden zum Anlass, im Jahre 1991 „800 Jahre Jöllenbeck“ oder 2001 „850 Jahre Theesen bzw. Vilsendorf“ zu feiern. Bei den Urkunden handelt es sich nicht um Gründungsurkunden dieser alten „Burschaften", sondern in diesen Urkunden wurden Veränderungen von Besitzverhältnissen festgehalten oder bestimmte Abgaben geregelt. Jöllenbeck, Theesen und Vilsendorf waren danach Bauerschaften, die sich aus mehreren kleineren Ortsteilen bzw. Nachbarschaften zusammensetzten.

                                       Plakat zur 800 Jahrfeier Jöllenbeck (1991) 12

 Die ersten urkundlichen Erwähnungen von Theesen und Vilsendorf stammen aus dem Jahre 1151, von Jöllenbeck aus dem Jahr 1191. Diese Erwähnungen nahmen die Gemeinden zum Anlass, im Jahre 1991 „800 Jahre Jöllenbeck“ oder 2001 „850 Jahre Theesen bzw. Vilsendorf“ zu feiern. Bei den Urkunden handelt es sich nicht um Gründungsurkunden dieser alten „Burschaften", sondern in diesen Urkunden wurden Veränderungen von Besitzverhältnissen festgehalten oder bestimmte Abgaben geregelt. Jöllenbeck, Theesen und Vilsendorf waren danach Bauerschaften, die sich aus mehreren kleineren Ortsteilen bzw. Nachbarschaften zusammensetzten.

Jöllenbeck, Auf dem Tie 12 Theesen, Abzweigung nach Schildesche 12 Vilsendorf, Abzweigung nach Laar12

 

Während sich in Theesen und Vilsendorf erst im 20. Jahrhundert durch Schule und Kirche sowie Zunahme der Bebauung heutige Ortskerne entwickelten, wurde in Jöllenbeck im geografischen Mittelpunkt der einzelnen Ortsteile Ende des 12. Jahrhunderts am Tie, dem Versammlungsort für die örtlichen Bauern, eine Kirche gebaut und damit ein Ortskern gebildet.3

Aus einer 6,8 x 10 m großen Kapelle entwikkelte sich im Laufe der Jahrhunderte durch An- und Umbauten eine Dorfkirche, die für den heimatlichen Raum von großer geschichtlicher Bedeutung wurde. Um und in der Kirche bestatteten die Jöllenbecker ihre Toten. Um diese Kirche bauten sie ihre Fachwerkhäuser: das Schulhaus, den Krug, das Pfarrhaus, den Kramladen, Kotten, das Tiggehaus (Amtshaus und Gefängnis), Zehntscheune (sogenannte Fisseley). Durch einen Torbogen erreichte man das Innere dieser ringförmigen Umbauung, in der mittig die Kirche stand.4

 ehemalige Kirche von Osten gesehen  11

 

Sämtliche Höfe in diesen Orten standen unter der Oberherrschaft eines Grundherrn. Der jeweilige Colon (landbesitzender Bauer) besaß als Inhaber seiner Stätte lediglich vererbbare Nutzungsrechte. Daneben existierte die an die Person gebundene Leibeigenschaft („Eigengehörigkeit"). Diese wurde erst 1808 per Gesetz aufgehoben, von der Grundherrschaft musste sich jeder Hof während des 19. Jahrhunderts mit hohen Ablösesummen freikaufen. Den Grund- und Leibherren, die verschieden sein konnten, sowie den zuständigen Kirchen in Jöllenbeck und für Theesen und Vilsendorf in Schildesche mussten die Bauern erhebliche wiederkehrende Abgaben leisten. Diese fielen insbesondere bei Verheiratungen (sog. Weinkauf) und Sterbefällen an und erschwerten die Wirtschaftsfähigkeit der Höfe erheblich.5 Als Grundherren traten in den drei Ortschaften zum Beispiel der jeweilige Landesherr, das Stift Schildesche, die Johanniter Comturey Herford, Kloster St. Mauritz Münster etc. auf.

Gajos (ex. Meier zu Jöllenbeck) 12 Upmeier (Bargholzhof) 12 Upmeier zu Belzen (Uphof) 12

Die hier typischen Hofgebäude, von denen noch einige in ihrer Fachwerkbauweise im Stadtbezirk erhalten sind, sind bei ehemaliger landwirtschaftlicher Nutzung überwiegend im Stil des niederdeutschen Hallenhauses gebaut, das sowohl Wohnung als auch Stall und Erntebergung unter einem Dach vereinte.6

Bezeichnend für den Stadtbezirk Jöllenbeck sind auch heute noch die verstreut liegenden kleinen Heuerlingshäuser, auch Kotten genannt, die zumeist im Fachwerkstil erbaut wurden. Diese befanden sich im Besitz der Höfe und beherbergten die der bäuerlichen Unterschicht angehörigen Heuerlinge, häufig auch Kötter genannt, die zahlenmäßig größte Bevölkerungsgruppe. Diese mussten Dienste auf den Höfen verrichten und darüber hinaus Pacht an den Colon zahlen. Zum Kotten gehörte häufig ein kleiner Acker. Dadurch war die Grundernährung der Heuerlingsfamilien meist gesichert. Verbessert wurde der karge Lebensunterhalt durch Verspinnen und Weben von Flachs. Flachs ist eine Pflanze, die auf hiesigen Böden besonders gut wächst und in früheren Jahrhunderten in den Sommermonaten das Landschaftsbild des Jöllenbecker Raumes prägte. 

Eine typische Kötterfamilie vor ihrem Kotten 12

Grafschaftsdenkmal 12

In der Nähe des alten Jöllenbecker Ortskerns errichtete man 1909 im sog. Kantorengarten das Grafschaftsdenkmal, im Volksmund Adlerdenkmal genannt. Es sollte an die 300-jährige Zugehörigkeit der Grafschaft Ravensberg zum Kurfürstentum Brandenburg, dem späteren Königreich Preußen, erinnern. Tatsächlich waren die Grafen von Ravensberg als Landesherren Jöllenbecks schon 1346 ausgestorben. An ihre Stelle traten im Erbgang in den folgenden Jahrhunderten zunächst die Herzöge von Jülich-Berg, 1511 die Herzöge von Kleve-Mark. Nach deren Aussterben im Jahr 1609 folgte ein jahrzehntelanger Erbstreit zwischen den Kurfürsten von

Brandenburg und den Herzögenvon Pfalz-Neuburg, der zu den Verwicklungen des 30-jährigenKrieges beigetragen hatte und erst 1666 im Einigungswege beigelegt werden konnte.Dadurch fiel Jöllenbeck den Brandenburgern, den späteren Königen von Preußen, zu und stand bis zur Abdankung des preußischen Königs 1918 unter preußischer Oberhoheit. Mit diesen Herrschaftswechseln rückte die Verwaltung der Grafschaft zunächst in das weit entfernte Rheinland, später nach Berlin.

Grafschaft Ravensberg 12

Für Jöllenbeck war diese Entwicklung von größter Bedeutung. Denn von 1522 bis 1719 tagten in der Jöllenbecker Kirche,
Da die Teilnehmer angesehene Persönlichkeiten waren, traten sie prunkvoll in Begleitung ihrer Abhängigen auf. So wird vom Landtag im Jahre 1535 berichtet, dass neben dem Herzog elf Edelherren und drei Adelige aus Düsseldorf angereist waren. Außerdem sämtliche Ritter der Grafschaft und die Gesandten (Bürgermeister, wahrscheinlich auch Räte) der Städte Bielefeld und Herford. Hinzu kam das Gefolge, alles im standesgemäßen Prunk. Mindestens 150 Menschen müssen es gewesen sein. Ein Landtag konnte sich über mehrere Tage hinaus ziehen. Für die Jöllenbecker Bevölkerung bedeutete er immer ein großes Ereignis. Solche Tage forderten aber auch enorme Leistungen, um die Gäste zu bewirten und zu beköstigen.8

Ab 1647 fanden die Landtage nicht mehr ausschließlich in Jöllenbeck statt. Friedrich Wilhelm I. verwies 1719 die Landtage nach Bielefeld, das bedeutete das Ende der Landtage in Jöllenbeck.9

Im 18. Jahrhundert wuchs die Bevölkerung nicht nur im hiesigen Raum, sondern im gesamten Westen von Preußen stark an. Das Land der Allgemeinheit, die Allmenden oder Marken, an denen die Höfe- und Stättenbesitzer, aber teilweise auch die Heuerlinge Pflanz- und Huderechte (Weiderechte) hatten, wurde aufgeteilt. Die Marken waren jedoch in ihrem Nutzungswert durch Überbeanspruchung (Holzeinschlag, Hude, Laubstreu- und Plaggenentnahme) so geschädigt, dass sie immer mehr verheideten. Hauptheide, Jöllenbecker Heide, Theeser Heide, Rachheide, Heidsieker Heide u.a. sind heute noch Flurbezeichnungen und Straßennamen, die auf die Verheidung im heimischen Raum hinweisen. Bei dieser Teilung wurden aber die Heuerlinge, die nur gewohnheitsrechtlich eine Nutzung in der Mark besaßen, nicht berücksichtigt. Ihre Situation verschlechterte sich dadurch erheblich, da sie nun zusätzlich Land pachten und sich mit Nebenerwerb das dazu benötigte Geld erwirtschaften mussten.10

Die Höfe, die entsprechend ihrer Größe Berücksichtigung fanden, vererbpachteten häufig ihren Markenanteil, so dass in Folge der Markenteilung neue Erbpachtstätten und Kotten entstanden, die die Wohnungsnot linderten. Auch das heutige Zentrum Jöllenbecks entstand auf Markengrund.

Königreich Westfalen 13

Mit den napoleonischen Kriegen entstand am 18. August 1807 das Königreich Westphalen, das von Napoleons jüngstem Bruder Jérôme von Kassel aus geführt wurde. Dazu gehörten auch Jöllenbeck, Theesen und Vilsendorf. Nachdem mit Beschluss vom 13. Dezember 1810 die Staatsgrenze revidiert wurde, kam dem Johannisbach die Funktion einer Staatsgrenze zu. Jöllenbeck, Vilsendorf und Obertheesen wurden somit französisch, während Schildesche und Untertheesen beim Königreich Westphalen verblieben. Für die Obertheeser und die Vilsendorfer bedeutete dieser Zustand, der bis zum Ende der napoleonischen Zeit 1813/1815 andauerte, dass sie ins Ausland (Schildesche) zur Kirche gehen mussten!

Quellennachweis

2)  Horst Ulrich Fuhrmann: Jöllenbeck im Wandel der Zeit, Bielefeld 1991, S. 109.
3)  Ebd., S. 23.
4)  Gertrud Angermann: Aus den Alben des Heimatvereins (1949), in: Heimatverein Jöllenbeck von 1947 e.V. (Hg.): Jöllenbecker Blätter 27, Bielefeld 1977, S. 917 ff.
5)  Lutz Volmer: Von der westphälischen ländlichen Bauart, Hausbau in Ravensberg zwischen 1700 und 1870, Essen 2011,
xxS. 27 ff.
6)  Ebd., S. 61.
7)  Vgl. Horst Ulrich Fuhrmann 1991, S. 75 ff.
8)  Ebd., S. 69.
9)  Ebd., S. 182 ff.
10)  Vgl. Stefan Brakensiek: Agrarreform und ländliche Gesellschaft: Die Privatisierung der Marken von Nordwestdeutschland, xx 1750–1850, Paderborn 1991.

Bildnachweis:

11) Stadtarchiv Bielefeld (Zeichnung von Paul Heinrich)
12) Archiv HV-Jöllenbeck
13) aus NW vom 14.12.2010

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